Alfred Schnittke

DASG Logo schnittkeDie Ă€ußeren Lebensstationen des Komponisten Alfred Schnittke lassen sich mit den vier StĂ€dtenamen Engels (an der Wolga), Wien, Moskau und Hamburg benennen. In Engels, der Hauptstadt der einstigen Wolgadeutschen Republik, wird er 1934 als Sohn eines in Frankfurt am Main gebĂŒrtigen jĂŒdischen Journalisten und einer Deutschlehrerin geboren. Von dort wĂ€hrend des Krieges nach Moskau verschlagen, beginnt er 1946  in Wien, wo der Vater als Redakteur tĂ€tig ist, seine musikalische Ausbildung. Dann wird fĂŒr vier Jahrzehnte Moskau zu seinem Lebensmittelpunkt. Einem zehnjĂ€hrigen Studium (anfangs Dirigieren und Chorleitung, ab 1953 Komposition und Instrumentation) folgt eine etwa zehnjĂ€hrige LehrtĂ€tigkeit am Moskauer Konservatorium. Dann beginnt eine freie Schaffensphase, die in einem Land kultureller Unfreiheit starken Belastungen ausgesetzt ist. Um existieren zu können, schreibt er in 20 Jahren die Musik zu ĂŒber 60 Filmen.

Mit wesentlichen Werken in polystilistischer Schreibweise berĂŒhmt geworden, siedelte Schnittke 1990 mit seiner Familie nach Hamburg ĂŒber, wo er als Professor und Leiter einer Kompositionsklasse an die Musikhochschule berufen wird. Seine letzten Jahre verlebte Alfred Schnittke, von schwerer Krankheit gezeichnet, aber auch von ungeheurer ProduktivitĂ€t zeugend,  in Hamburg. Hier konnte er neben den internationalen Großpreisen auch den Bach-Preis der Hansestadt entgegennehmen. An der Hamburger Staatsoper fanden auch seine hier entstandenen BĂŒhnenwerke, das Ballett „Peer Gynt“ und die Faust-Oper, ihre UrauffĂŒhrung. ReprĂ€sentativ steht seine BĂŒste in der Hamburger Laeiszhalle. 1998 starb Schnittke in Hamburg und wurde auf dem Moskauer Prominentenfriedhof mit einem StaatsbegrĂ€bnis beigesetzt.

Nicht nur durch seine Herkunft zum Gratwanderer zwischen Ost und West bestimmt (stammt vĂ€terlicherseits aus dem estnischen Liebau), fĂŒhrt ihn seine Ausbildung (u.a. bei dem nach Moskau emigrierten Webern-SchĂŒler Philipp Herschkowitz, 1906-1989) zu einer Art stilistisches BrĂŒckenposition: Kreisen seine Kompositionen und musik-theoretischen Arbeiten anfangs um die großen russischen Leitfiguren  Strawinsky, Prokofjew und Schostakowitsch, so finden sich bald mit Mozart, Mahler, Webern und B. A. Zimmermann gleichstarke Beziehungen zur deutschen Musik mit all ihren Traditionen. Losgelöst von extrem modernistischen Techniken, entwickelte Schnittke seine polystilistische Schreibweise. Seine davon geprĂ€gte Musik klingt inzwischen in der ganzen Welt.